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Welche Zeiten sind golden?
Partnerschaftskomitee Rottendorf
25.03.2025, 18:58
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Um dieser Frage nachzugehen, reiste eine Gruppe interessierter Damen mit der Bahn nach Frankfurt, um sich im Städelmuseum mit Amsterdam zu Zeiten Rembrandts zu beschäftigen. Die Stadt wuchs damals über sich hinaus, verfünffachte ihre Einwohnerzahl. Vor allem das Meer brachte ihr großen Reichtum ein, denn eine Flotte von 1800 Schiffen sowie die Gründung von Westindien und Ostindien Kompanie und der sich daraus ergebende globale Handel entpuppten sich als äußerst einträgliche Geschäfte.
Dabei hätte man auch in Wehklagen verfallen können, weil die jahrzehntelange Unterjochung durch die Spanier den Niederlanden zusetzte. Im übrigen hatte der Dreißigjährige Krieg Europa ziemlich entvölkert. Dennoch wuchs die Stadt Amsterdam. Es kamen Händler aus aller Welt und europäische Händler begannen den globalen Süden zu kolonisieren. Dafür benötigte man reichlich Schiffsbesatzungen. Und alle wollten ernährt werden. 
Solche prosperierenden Regionen zogen schon immer Menschen an. So kam auch eine junge Dänin, um in der Großstadt zu arbeiten. Leider hatte sie am Ende ihres Notgroschens noch keinen Job, aber eine Vermieterin, die Geld sehen wollte. Als diese ihr dann ihre paar Habseligkeiten stattdessen wegnehmen wollte, eskalierte der Streit, was für die Vermieterin tödlich endete. Die 18-Jährige wurde zum Tod durch Erwürgen verurteilt und zur Abschreckung öffentlich samt Tatwaffe ausgestellt. Rembrandt und seine Mitarbeiter zeichneten sie, es existieren einfühlsame Radierungen.
Gleichzeitig wurde von so manchem gut verdient. Und so konnte man es sich leisten, sich malen zu lassen. Damit begonnen haben die Hakenbüchsenschützen. Die zunächst recht statischen Darstellungen erhielten durch Rembrandt eine kompositorische Dynamik, die unter anderem erklärt, weshalb er rasch Karriere machte. Auch andere angesehene Bürger griffen dann tief in die Tasche, um sich verewigen zu lassen – man musste nämlich seinen Teil auf der Leinwand selber bezahlen.
Und so kann man denn noch heute sehen, wie die Waisen versorgt wurden, die Amsterdamer Bürger waren. Deren Tracht erhielt sich sogar bis ins 20. Jahrhundert. Es gab reichlich Gelegenheit, Waise zu werden. So grassierte die Lepra, wie das riesige Gemälde von deren jährlichem Umzug an Dreikönig vor Augen führt. An diesem einen Tag durften sie um Almosen bitten, dann hatten sie sich in die Aussätzigenlager zurückzuziehen.
Man erhält einen Eindruck von den Gefängnissen. Eine moderne Auffassung wollte die Straftäter nach Verbüßen der Strafe integrieren, weshalb sie im Zuchthaus arbeiten mussten. Die Männer raspelten brasilianisches Rotholz zur Gewinnung von Farbstoff, die Frauen waren gehalten zu spinnen oder andere übliche Handarbeiten auszuführen. 
Sehr interessant auch der Berufsstand des Chirurgen. Damals nicht als Arzt unterwegs ließ er zur Ader, zog Zähne, schnitt Haare und mehr. Damit Operationen gelangen, waren die Chirurgen gehalten, an Fortbildungen teilzunehmen. Da wurden dann zum Tode verurteilte Schwerverbrecher seziert. Nach damaliger Weltsicht nahm man ihnen damit die Möglichkeit eines Lebens nach dem Tode. Auch hier bereicherte Rembrandt mit neumodischen Kompositionen.
War die Zeit damals also golden? Für manchen gewiss, für andere nicht. Jede Medaille hat immer zwei Seiten. Irgendwie hat man die Paarallele zur heutigen Zeit gezogen. Leben wir in der Krise – von der Presse viel beschworen – oder in einer goldenen Zeit? Schätzungsweise auch hier ausschlaggebend, welchen Blickwinkel man einnimmt!
Mit all diesen hochinteressanten Informationen verging die Stunde mit der Museumsführerin wie im Fluge. Abschließend erfuhr man noch von der Rechtlosigkeit von Frauen, was bei den angereisten Damen natürlich auf fruchtbaren Boden fiel. Danach stand Zeit zur Verfügung, die Ausstellung zu vertiefen oder sich in die Dauerausstellungen zu begeben, bevor es wieder Richtung Heimat ging. Vielen Dank ans Partnerschaftskomitee, namentlich die erste Vorsitzende, für die gute Organisation!


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Beschreibung

Unser Rottendorfer Partnerschaftskomitee wurde im Januar 1987 mit dem Ziel gegründet, den Austausch und die Begegnung zwischen den Gemeinden Rottendorf und Troarn sowie den Gedanken eines gemeinsamen Europas zu fördern.