Rechtzeitig zum Weltfrauentag bot die Steuerungsgruppe Fair Trade auf dem Bauernmarkt fair gehandelte Rosen an. In guter Tradition, erstmalig gab es dieses Format während der Pandemie, konnte man sich aus dem Aufsteller die Rosen seiner Wahl nehmen. Spenden waren erwünscht – und die RottendorferInnen lassen sich da nicht lumpen. Kurz vor zwölf hatten sämtliche Blumen eineN LiebhaberIn gefunden.
Wer den Einkaufsbeutel vergessen hatte, durfte sich einen fairen Beutel nehmen. Doch die meisten MarktbesucherInnen hatten vorausschauend alles dabei. So können dann noch jene profitieren, die bei der nächsten fairen Rosenaktion am 10. Mai vorbeischauen. An den Bauernmarkt schließt sich der Muttertag an. Also gleich im Kalender rot markieren! Denn diese Rosen lassen nicht am nächsten Tag bereits die Köpfe hängen, sondern erfreuen Herz und Augen locker zwei Wochen lang.
Blumenproduktion auf dem Prüfstand
Diese Aktion hat einen sehr ernsten Hintergrund. Die Rose, gerade die rote Rose als Symbol für die Liebe bei uns ganzjährig gerne gekauft, wird vor allem im Winter aus äquatorialen Ländern importiert. Irrsinn? Tatsächlich lohnt es sich wirtschaftlich und trotz des weiten Transports sogar ökologisch. Das liegt daran, dass die idealen Wachstumsbedingungen in den entsprechenden Ländern natürlich gegeben sind, wohingegen sie bei uns mit hohem Energieaufwand künstlich erzeugt werden müssten.
Außerdem – und hier liegt der Hase im Pfeffer – sind die Lohnkosten in Ländern wie Tansania, Kolumbien oder Kenia deutlich niedriger. Für einen Vollzeitjob in der Schnittblumenindustrie erhalten die ArbeiterInnen zwischen dreißig und vierzig Euro im Monat. Dafür kauft man hierzulande bestenfalls drei Stunden Arbeit ein. Natürlich reicht dieser Lohn vorne und hinten nicht, schon gar nicht um eine Familie damit zu ernähren.
Noch dazu sind die Menschen vor Ort giftigen Chemikalien ausgesetzt, müssen für Valentins- und Muttertage Überstunden leisten und dürfen sich nicht gewerkschaftlich organisieren. Auch Kündigungsschutz ist ein Fremdwort für die Betroffenen. Dies haben verschiedene Organisationen und Floristen zum Anlass genommen, dem etwas entgegenzusetzen.
Abhilfe durch Gütesiegel
Ein Instrument, um Transparenz für die Verbraucher zu schaffen, sind Gütesiegel. Um damit ausgezeichnet zu werden, muss man verschiedene Kriterien erfüllen. Dazu gehört etwa, dass es keine Kinderarbeit gibt. Für die Erwachsenen, meist Frauen, gelten wichtige Regeln. Sie erhalten existenzsichernde Löhne, dürfen sich gewerkschaftlich organisieren, ihre Gesundheit wird durch entsprechende Schutzmaßnahmen bewahrt. Zwangsarbeit findet nicht statt.
Gleichzeitig sind solche Gütesiegel in aller Regel auch an Umweltschutz geknüpft. So verzichtet man auf hochgiftige Pestizide und pflegt einen verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Das betrifft vor allem das knappe Gut Wasser, schon gar sauberes Trinkwasser. (Für die Produktion einer kenianischen Rose werden übrigens knapp vier Liter Frischwasser verbraucht. Damit ist die Blumenindustrie ein Faktor für den massiven Rückgang des Wasserspiegels.)
Obendrein werden soziale Projekte gefördert, etwa Schulen, Krankenhäuser und so weiter. Der etwas höhere Preis für die Ware bei uns stellt also einen bewussten Beitrag zu sinnvoller Entwicklungsarbeit dar. Getreu dem Motto Hilfe zur Selbsthilfe.
Weltfrauentag
Diesen Termin hat die Steuerungsgruppe ganz bewusst gewählt, um auf die vielschichtigen Probleme und Benachteiligungen von Frauen weltweit aufmerksam zu machen! In unglaublich vielen Ländern werden Frauen für dieselbe Arbeit schlechter bezahlt als Männer. Und bei uns werden ganze Berufsgruppen schlechter bezahlt, sowie es sich um frauentypische Tätigkeiten handelt. Stichwort Gender Pay Gap…
In der Blumenindustrie sind zwei Drittel der Beschäftigten in der Produktion weiblich. Das Heer der Arbeiterinnen wird beaufsichtigt von (besser bezahlten) Männern. Die Frauen verrichten monotone Arbeiten, oft in gebückter Haltung: Aussäen, Unkraut jäten, Pflege der Pflanzen, Ernten, Sortieren und Verpacken. Wegen der verwendeten Chemikalien erkranken die Frauen überproportional häufig und haben auffallende viele Fehlgeburten.
Dazu leisten die Frauen die meiste (wenn nicht alle) Hausarbeit, Kindererziehung, Pflege etc. Aktuelle politische Entwicklungen auf der Welt lassen befürchten, dass diese Ungerechtigkeit nicht nur zementiert, sondern sogar verstärkt wird. Selbstbewusste Männer, die es nicht nötig haben, sich dadurch zu vergrößern, dass sie ihre Umgebung kleinmachen, schreien irgendwie nicht so laut. Und Frauen, die für ihre Rechte eintreten, sehen sich nicht nur manchmal beißendem Hohn ausgesetzt.
Aus diesem Grund sind faire Aktionen so wichtig und nähren die Hoffnung, dass es sich immer lohnt, sich für die Rechte und die Würde der Menschen einzusetzen.